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Ich bin altmodisch und ich gebe es zu – eigentlich sollte ich sagen, ich w a r altmodisch. Zumindest was Tischdecken betrifft. Bisher war ich der Ansicht, eine Tischdecke sei eben da, um einfach gut auszusehen und, nach Erfüllung dieses ihres Zweckes, wieder unauffällig zu verschwinden. Mit dem Besuch meiner Tochter samt Enkelkind aus Australien hat sich dieses mein Denken grundlegend geändert. Barbara, so heißt die Zweijährige, hat das anscheinend unwiderstehliche Bedürfnis, ihren Kakao, ihr Frühstücksei sowie andere diverse Nahrungsmittel nicht nur mit mir, sondern sondern auch mit der strahlend weißen, sorgfältig geplätteten Tischdecke zu teilen. Dies ist lobenswert, mag so Mancher sagen, der den sonst üblichen kindlichen Egoismus dieses Jahrgangs kennt. Teilen ist lobenswert, ja – aber mit einer Tischdecke? Wie auch immer. Barbara hat es so beschlossen und nun ist es einmal so. Oma und ich sitzen am zweiten Abend zusammen und überlegen, was in dieser Hinsicht wohl zu tun sei. Einige Jahre warten, bis Barbara älter geworden ist, kommt nicht in Frage – es muss sofort etwas unternommen werden. Meine Frau sieht mich an. Ich zucke zusammen. Nein! Keine Wachstuchdecke! Wo bleibt die Eleganz? Doch ich weiß, dass ich verloren habe. Es muss eben sein. Oma ist rücksichtsvoll genug, den notwendigen Einkauf ohne mich zu erledigen und deckt anschließend auch den Tisch, ohne auf meine Anwesenheit zu drängen. Als ich endlich, nach einigem Zögern, doch angetrieben von der Vernunft, doch das Esszimmer betrete, staune ich: Eine elegante, wenn auch farbige, Tischdecke ist auf unserem Esstisch drapiert, als müsse es einfach so sein. Zweifelnd befühle ich das Material und staune noch mehr. Tatsächlich eine Wachsdecke! Wie ist das nur möglich? Mein Leben lang hatte ich mich geweigert, eine Tischdecke aus Wachstuch auf meinem Tisch zu dulden, ohne je auch nur eine gesehen zu haben. Jetzt konnte ich mit eigenen Augen feststellen, dass eine Tischdecke nicht nur praktisch sein, sondern darüber hinaus auch noch gut aussehen kann.
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